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Junge
Liebe Über dem Brünnlein nicket der Zweig,
Waldvögel zwitschern und flöten, Wild Anemon' und Schlehdorn
bleich Im Abendstrahle sich röten, Und ein Mädchen mit
blondem Haar Beugt über der glitzernden Welle, Schlankes
Mädchen, kaum fünfzehn Jahr, Mit dem Auge der scheuen
Gazelle. Ringelblumen blättert sie ab: "Liebt er, liebt er mich
nimmer?" Und wenn "liebt" das Orakel gab, Um ihr Antlitz gleitet ein
Schimmer; "Liebt er nicht" - o Grimm und Graus! Dass der Himmel den
Blüten gnade! Gras und Blumen, den ganzen Strauß Wirft sie
zürnend in die Kaskade. Gleitet dann in die Kräuter lind,
Ihr Auge wird ernst und sinnend; Frommer Eltern heftiges Kind, Nur
Minne nehmend und minnend, Kannte sie nie ein anderes Band Als des
Blutes, die schüchterne Hinde; Und nun einer, der nicht verwandt
- Ist das nicht eine schwere Sünde? Mutlos seufzet sie
niederwärts, In argem Schämen und Grämen, Will zuletzt
ihr verstocktes Herz Recht ernstlich in Frage nehmen. Abenteuer
sinnet sie aus: Wenn das Haus nun stände in Flammen, Und um
Hilfe riefen heraus Der Karl und die Mutter zusammen? Plötzlich
ein Perlenregen dicht Stürzt ihr glänzend aus beiden Augen,
In die Kräuter gedrückt ihr Gesicht, Wie das Blut der Erde zu
saugen, Ruft sie schluchzend: "Ja, ja, ja!" Ihre kleinen Hände
sich ringen, "Retten, retten würd' ich Mama, Und zum Karl in die
Flamme springen!" Annette von Droste-Hülshoff 1797-1848
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