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Gestern
sprach der Mond zu mir Gestern sprach der Mond zu mir, Als
ich von der Liebsten ging, Wie er hell in stiller Zier Über
dunklen Wolken hing: Hat der Freund so manches Mal Sonst doch
nach mir aufgeschaut, Und es hat mein feuchter Strahl Wehmut ihm in's
Herz getaut. Bin ich dir nicht mehr vertraut? Blickst du nicht
nach mir einmal? In Gedanken deine Braut, Merkst du gar nicht meinen
Strahl? Streu' ich doch auf deinen Weg Meine schönsten
Schimmer gern; Dir zu zeigen Weg und Steg, Eifr' ich mit dem
Abendstern. Himmel schaut in deine Lust, Teilst du gleich sie
nicht ihm mit; Und es lenken unbewusst Seine Lichter deinen Schritt.
In der Morgensonne Glanz Gingest heut' zu deinem Glück;
Und die Nacht im Sternenkranz Führt im Dunkel dich zurück.
Mond und Sonne siehst du nicht, Doch dich sehen Sonn' und Mond
Und erquicken sich am Licht, Das in deinem Herzen wohnt.
Schau' nun doch mich an einmal, Birg es meinen Blicken nicht, Wie der
Liebe Gottesstrahl Klärt ein Menschenangesicht! Friedrich
Rückert 1788-1866
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