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Liebesgedichte:
Verbundenheit |
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Liebchen!
meine Freunde raten Liebchen! meine Freunde raten, Edlem
Lehrstand mich zu weih'n, Auszustreuen gold'ne Saaten In der Jugend
frische Reih'n. Ob in mir ich solche Körner Heg', ist wenig
mir bewusst; Sie zu säen zwischen Dörner Hab' ich
völlig keine Lust. Bin ich selb doch in der Wilde
Aufgewachsen ohne Zucht. Ohne dass ich And're bilde, Will ich tragen
meine Frucht. Bin geworden, was ich konnte; Werd' ein Jeder, was
er kann! Wie ich mich an Keinem sonnte, Biet' ich Licht auch Keinem
an. Sollt' ich ernst gelehrte Sachen Pred'gen? Mir ein
schlechter Spaß; Oder lehren Verse machen? Selber kann ein jeder
das. Liebchen! Ab vom Lehrerstuhle Wendet sich zu dir mein Sinn.
Wo ich halten soll die Schule, Musst du sein die Schülerin.
Meine Weisheit will ich träufen Dir mit Küssen in die
Brust, Alle Geistesblüten häufen Um dich her zu Schmuck und
Lust. Warum sollt' ich meine Saaten Fremden Feldern anvertrau'n,
Da mich Gott so wohl beraten, Dass ich darf mein eignes bau'n?
Pflanzen will ich stets vom frischen Und mich meiner Ernten freu'n,
Und kein Fremder soll mir zwischen Meinen Weizen Unkraut streu'n.
Friedrich Rückert 1788-1866
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