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Die
Liebste steht mir vor den Gedanken Die Liebste steht mir vor den
Gedanken, wie schön, o wie schön! Dass mir betäubt die Sinne
wanken, wie schön, wie schön! Sie hat mit Mienen mich
angelächelt, wie hold, o wie hold, Dass durch das Herz mir die
Strahlen schwanken, wie schön, o wie schön! Die hellen Fluren der
Rosenwange, sie winken zur Lust, Und dunkel flattern die Lockenranken, wie
schön, o wie schön! Des Aug's Narzissen wie lieblich, wenn sie
erwachen im Tau, Und wann sie trunken in Schlummer sanken, wie schön,
o wie schön! Die Palm' aus Eden, die ich in Träumen wie lange
gesucht, Hab' ich gefunden im Wuchs, dem schlanken, wie schön, o wie
schön! Der Quell des Lebens, dem ich gedurstet, er hat mich gelabt,
Als meine Lippen aus deinen tranken, wie schön, o wie schön!
Des Geistes Hoffen, der Seele Wähnen, dein Traum, Phantasie, Ist hier
getreten in Körperschranken, wie schön, o wie schön! Des
Frühlings Blumen, des Himmels Sterne, du bringst sie im Kranz Mir dar
vereinigt, wie soll ich danken? Wie schön, wie schön, o wie
schön! Die höchste Schönheit halt' ich in deiner
gedrückt an mein Herz; Es muss erliegen, es muss erkranken, wie
schön, o wie schön! Du stirbst, o Freimund, und dich zu Grabe zu
tragen, o sieh', Wie sich die Rosen mit Lilien zanken, wie schön, o
wie schön! Friedrich Rückert 1788-1866
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