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Geh',
mein Herz, zum Liebchen heute! Geh', mein Herz, zum Liebchen
heute! Weißt du, ob du's morgen kannst? Nimm der Liebe Glück
zur Beute, Rasch und stirb, wann du's gewannst. Warum willst du fern
ihr säumen Einen einz'gen Augenblick? Lass dich nicht in leeren
Träumen Überraschen vom Geschick. Sondern wann es ohn'
Erbarmen Führen will auf dich den Streich, Treff' es dich in ihren
Armen, Ihr am Busen stirbt sich's weich. Zähle nicht die
künft'gen Stunden, Die du weihen willst der Lust. Eine, traurig
hingeschwunden, Ist ein sicherer Verlust. Ob dir tausend Tage
blieben, Gib umsonst nicht einen Tag. Warum willst auf morgen
schieben, Was dir heute werden mag? Unerschöpflich ist der
Becher, Den die Liebe dar dir beut; Nie ihn enden wirst du, Zecher,
Doch beginnen mußt du heut'. Friedrich Rückert 1788-1866
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