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Komm,
verhüllte Schöne Komm, verhüllte Schöne!
Komm aus deinem Haus Locken stille Töne Dich zur Nacht heraus.
Komm und schlag' den Schleier Dir vom Angesicht, Zeige dich nur
freier, Süßes Mondenlicht! Untern ist die Sonne,
Deren Blick, so scharf, Deine milde Wonne Nicht verletzen darf.
Abendglutumrötet Starb der Lerche Schall; Und aus
Büschen flötet Nun die Nachtigall. Tag mit seinem
Tosen Ist zur Ruhe hier, Liebchen! alle Rosen Schlafen außer
dir. Alle kecken Lüfte Sind zur Ruh' im Laub;
Nachtviolendüfte Fürchten keinen Raub. Lüstern
keine Biene Trägt mehr Honig ein; Und an deiner Miene Saugt
mein Blick allein. Lass dich nicht verdrießen, Küsse
mich in Ruh'. Alle Knospen schließen Ihre Augen zu. Und
vor'm Abendsterne Wirst du nicht dich scheu'n, Dessen Blick sich
gerne Mag an Küssen freu'n. Friedrich Rückert
1788-1866
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