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Frühling,
vollen! Vollen Frühling, vollen! Vollen
Liebesüberfluß! Mehr als Herzen wollen, Strömenden
Genuss! Wonnen mehr, als schwellen Wünsche meine Brust,
Ungezählte Wellen, Ungemess'ne Lust! Mir nicht Sonnenstrahlen,
Sondern Sonnenglut, Mir nicht Taues Schalen, Sondern Meeres Flut!
Mir nicht ferne Grüße, Mir nicht leisen Blick, Sondern
heiße Küsse, Ketten ums Genick! Nicht die halben Lippen,
Sondern vollen Tausch, Nicht des Bechers Nippen, Sondern ganzen
Rausch! Rötlich angeglommen Sei nicht Luftazur, Eine Glut
verschwommen Morgenrot und Flur! Nicht ein knospend Ringen, Sondern
voller Flor, Nicht vereinzelt Klingen, Sondern voller Chor! Nicht
verzagte Blätter, Sondern buntes Grün, Wechselreich
Geschmetter, Durcheinanderblüh'n! Rosen an dem Stocke Meiner
Lust so viel, Dass sich mag die Flocke Nehmen Ost zum Spiel. Immer
neu beflissen Knospen anzugeh'n, Dass wir nicht vermissen, Die wir
sterben seh'n. Immer neu Gefieder, Immer neuen Schall, Tausendfache
Lieder, Gleich der Nachtigall! Dass die Rose lauschen Mag mit
halbem Ohr, Eins sie muss berauschen, Wenn sie eins verlor.
Friedrich Rückert 1788-1866
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