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Mannesträne
Mädchen, sahst du jüngst mich weinen? Sieh des Weibes
Träne dünkt Mir der klare Tau des Himmels, Der in
Blumenkelchen blinkt. Ob die trübe Nacht ihn weinet, Ob der
Morgen lächelnd bringt, Stets doch labt der Tau die Blume Und ihr
Haupt hebt sich verjüngt. Doch es gleicht des Mannes
Träne Edlem Harz aus Ostens Flur, Tief ins Herz des Baums
verschlossen, Quillt's freiwillig selten nur. Schneiden musst du
in die Rinde Bis zum Kern des Marks hinein, Und das edle Nass
entträufelt Dann so golden, hell und rein. Bald zwar mag der
Born versiegen, Und der Baum grünt fort und treibt, Und er
grüßt noch manchen Frühling, Doch der Schnitt, die Wunde -
bleibt. Mädchen, denk' des wunden Baumes Auf des Ostens
fernen Höh'n, Denke, Mädchen, auch des Mannes, Den du weinen
einst geseh'n! Anastasius Grün 1806-1876
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