|
|
| |
Liebesgedichte:
Herzschmerz |
|
| |
Dunkel
ist die Nacht Dunkel ist die Nacht, Und die Liebe ferne,
Meine Sehnsucht wacht, Sucht nach einem Sterne. Leben ist
verstummt In den öden Straßen, Drüben schwarz
vermummt Steht das Schloss verlassen. Ausgestorben ganz Das
Gebäu mir deuchtet, Eines Fensters Glanz Ist allein
beleuchtet. Und da ist ein Stern Schimmernd aufgegangen, In
dem Strahle gern Täusch' ich mein Verlangen: Sitzt ein
Frauenbild Hinter hellen Scheiben, Schaffet ruhig mild, Was sie hat
zu treiben. Liest sie ein Gedicht? Wirkt sie zart Gesticke?
Einer Kerze Licht Spielt mit ihrem Blicke. Harret sie
vielleicht Eines Freund's und lauschet, Ob's im Gässlein
schleicht Und am Pförtchen rauschet? Doch ich seh' es ja
An den stillen Mienen, Dass sie nur ist da, - Mir zum Stern zu
dienen. Friedrich Rückert 1788-1866
|
|
|