| |
Lenzesgabe
Mit seinem Füllhorn kam der Lenz gezogen, Und Lieblichstes
ward links und rechts entsendet: Glanz ward dem See, dem Strome
zugewendet, Und Klang den Vöglein, die da lustig flogen. Duft
ward den Blumen, dran die Bienen sogen, Azur dem Himmel, Grün dem Hain
gespendet; Und alsbald war die Fülle ganz verschwendet An
Vögel, Bäume, Blumen, Lüfte, Wogen. Doch als der Lenz
mich sah mit bleichen Wangen, Da sprach er, gleich, als ob es ihn
gereuet, Dass leer allein der Dichter ausgegangen: "Hingab ich,
was die Einzelnen erfreuet, Doch dir nun schenk ich dies gesamte
Prangen, Dein Herz versammle, was ich rings zerstreuet!" Robert
Hamerling 1830-1889
|
|