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Liebesgedichte:
Frühlingserwachen |
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Die
mich hat am Fädchen Die mich hat am Fädchen, Stehet
auf der Grenze still Zwischen Kind und Mädchen, Und ist Beides,
was sie will. Wie es eben dienen Mag am besten ihrem Plan,
Legt sie sich die Mienen Von dem ein' und andern an. Aus dem einen
immer Leis in's andere Gebiet Spielt sie, wie ein Schimmer Durch
bewegte Zweige flieht. Mädchenhaft und kindlich, Wie sie mir
sich zeigen mag, Mir unüberwindlich Blieb sie bis auf diesen
Tag. Kindischer Gebärde Dich zu necken scheint sie dort:
Dann den Mut zur Erde Schlägt sie mit erwachsnem Wort. Wenn
du sie willst nehmen Für ein Kind, wie sie sich gibt, Wird sie
dich beschämen, Wenn's ihr klug zu sein beliebt. Wenn du sie
zu fassen Nun beim Ernste denkst mit Glück, Zieht sie sich
gelassen In den kind'schen Scherz zurück. Friedrich
Rückert 1788-1866
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